Entzündungen von Mundschleimhaut und Zahnfleisch, Aphthen
Die Zellen der Mundschleimhaut teilen sich rasch und häufig, sodass sich das Gewebe oft erneuert. Die meisten Verletzungen heilen deshalb innerhalb kurzer Zeit von selbst. Die Schleimhaut ist überaus aufnahmefähig für Arzneimittel und andere Stoffe.
Entzündungen der Mundschleimhaut können die ganze Mundhöhle erfassen (Stomatitis) oder auf kleine Stellen in den Wangentaschen, an der Innenseite der Lippen, auf der Zunge oder am weichen Gaumen begrenzt bleiben (Aphthen).
Eine Entzündung des Zahnhalteapparats (Parodontitis) beginnt an den am Zahn ansetzenden Zahnfleischrändern (Gingivitis) und breitet sich von dort in die Tiefe aus. Bei einer Parodontitis ist der Kieferknochen mit erfasst. Bei Kindern in den ersten vier Lebensjahren können Aphthen in der gesamten Mundhöhle auftreten (Stomatitis aphthosa).
Anzeichen und Beschwerden
Dass die Mundschleimhaut sich entzündet hat, ist vor allem daran zu spüren, dass sie schmerzt und gerötet ist. Manchmal ist sie auch leicht geschwollen oder von Bläschen oder weißen cremigen Flecken übersät.
Aphthen zeigen sich als einzeln stehende weißlich gelbliche, rotgeränderte wunde Stellen an der Mundschleimhaut, die sehr schmerzempfindlich sind.
Wenn sich das Zahnfleisch entzündet hat, blutet es häufig beim Zähneputzen, vor allem zwischen den Zähnen. Später schwellen die Zahnfleischränder an und sind stark gerötet. Das Zähneputzen wird dann meist ziemlich schmerzhaft. Bei einer fortgeschrittenen Parodontitis ist oft das gesamte Zahnfleisch schwammig aufgequollen.
Bei schmerzhaften und zahlreichen Aphthen wollen vor allem Kleinkinder häufig nichts essen. Wenn sie auch nicht trinken, ist die Gefahr groß, dass die Kinder austrocknen.
Dies kann mit hohem Fieber (über 38,5 °C) einhergehen. Gelegentlich ist dann eine stationäre Behandlung im Krankenhaus nicht zu vermeiden.
Ursachen
Scharfkantige, harte Speisen (zum Beispiel Knochensplitter, Krusten) und heiße Getränke können die Mundschleimhaut verletzen. Auch wenn man sich beim Kauen auf die Lippe oder in die Innenseite der Wange beißt, entstehen Verletzungen, die sich entzünden können. Vorstehende Zähne und überstehende Ränder an Füllungen und Kronen können ebenfalls die Mundschleimhaut beschädigen.
Bakterielle Zahnbeläge (Plaque) bilden sich rasch auf der Zahnoberfläche. Bakterien, die sich vor allem im hinteren Zungenbereich bilden, tragen ebenfalls zur Bildung von Zahnstein, Zahnfleischentzündungen und Parodontose bei. Wenn Zunge und Zähne nicht täglich zweimal von diesem Belag befreit werden, kann nach wenigen Tagen eine Gingivitis entstehen. Eine Zahnfleischentzündung ist also meist die Folge mangelhafter Mundhygiene. Darüber hinaus bilden die Bakterien in der Plaque Säuren, die den Zahnschmelz angreifen, wodurch Karies entsteht.
Eine gute Grundlage für Bakterien bietet auch Zahnstein (an Zahnrändern), der aus mineralisierter Plaque besteht.
Schlecht sitzende Zahnprothesen verursachen Druckstellen, die sich häufig entzünden. Sitzt die Prothese zu locker, können sich in Lücken und Hohlräumen Bakterien einnisten und Entzündungen hervorrufen. Da beim Kauen der Druck von den künstlichen Zähnen auf den Kieferknochen übertragen wird und nicht- wie bei natürlichen Zähnen und Implantaten- in den Knochen hinein, verlieren Prothesen mit der Zeit ihren passgenauen Sitz und müssen dann neu angepasst werden.
Vitaminmangel, Durchblutungsstörungen, Diabetes und Hormonschwankungen können eine Entzündung zusätzlich begünstigen.
Auch infolge einer Allergie auf metall- oder kunststoffhaltige Zahnfüllungen können sich Mundschleimhaut und Zahnfleisch entzünden. Das gilt ebenso für Zahnersatz und Materialien, die der Zahnarzt für die Behandlung einsetzt (Spritzen, Latexhandschuhe, jodhaltige Materialien, Gebissabdruckmasse).
Eine Infektion mit Viren und Pilzen wird begünstigt, wenn die Abwehrkräfte geschwächt sind (zum Beispiel während oder nach einer Krankheit, nach einer Geburt, bei anhaltendem Stress).
Auch eine Behandlung mit Glukokortikoiden zum Inhalieren (bei Asthma) oder Antibiotika (bei Infektionen) stört die Mundflora und begünstigt die Ausbreitung von Erregern.
Bestimmte stark wirksame Medikamente (zum Beispiel solche, die im Rahmen einer Chemotherapie bei Krebs gegeben werden) hemmen die Zellteilung in allen Geweben, deren Zellen sich schnell teilen. Das betrifft dann auch die Mundschleimhaut. Erneuert sich das Gewebe aber nicht rasch genug, wird es anfällig für Krankheitserreger, vor allem für Bakterien. Eine Stomatitis ist deshalb eine häufige unerwünschte Begleiterscheinung bei einer Chemotherapie.
Häufigste Ursache von Zahnfleisch- oder Mundschleimhautentzündungen sind mangelnde Mundhygiene und ein kariöses Milchgebiss. Auch eine Erstinfektion mit Herpesviren kann eine heftige Entzündung im Mund verursachen. Bei Säuglingen entzündet sich manchmal das Zahnfleisch, wenn die ersten Zähne durchbrechen.
Vorbeugung
Putzen Sie sich am besten nach jeder Mahlzeit, aber mindestens zweimal täglich gründlich die Zähne. Benutzen Sie dafür eine Bürste mit weichen oder mittelharten Borsten. Putzen Sie die Zähne mit kleinen Vibrationsbewegungen immer von "rot" nach "weiß", also vom Zahnfleisch zu den Zähnen hin. Hat sich bereits viel Plaque angesammelt oder Zahnstein gebildet, sollten Sie beides bei einer professionellen Zahnreinigung beim Zahnarzt entfernen lassen.
Wenn Sie eine Zahnprothese tragen, sollten Sie deren Sitz vom Zahnarzt regelmäßig kontrollieren und eventuell neu Anpassen(Unterfüttern) lassen. Der Zahnarzt prüft auch, ob sich die Mundschleimhaut unter der Prothese verändert hat.
Bei einer Zahnspange ist darauf zu achten, dass keine Ecken und Kanten hervorstehen, an denen sich Zunge oder Wange wundscheuern.
Falsch stehende Zähne, an denen Sie sich immer wieder verletzen, sollten Sie vom Zahnarzt korrigieren lassen.
Aphthen und Lippen-Herpes
Was ist der Unterschied.
Die Infektion mit dem für Fieberblasen verantwortlichen Herpes-simplex-Virus Typ 1 erfolgt meistens schon in der Kindheit. Aphthen hingegen sind kleine, in der Mehrzahl der Fälle runde und oft äußerst schmerzhafte Defekte an der Mundschleimhaut, deren Ursache bis heute nicht bekannt ist.
Was beide Veränderungen gemeinsam haben, ist ihr Auftreten im Lippen-Mund-Bereich und die Tatsache, dass sie einem die Lebensfreude verdrießen. Im Übrigen handelt es sich um zwei völlig verschiedene Arten von Erkrankungen.
Die Aphthe, das unbekannte Wesen
Jeder hat sie schon einmal gehabt - oder jedenfalls fast jeder -, aber keiner weiß, was sie wirklich sind. Die Rede ist von Aphthen, diesen lästigen, schmerzhaften, runden, gelb belegten Stellen in der Mundschleimhaut, die einem die Freude am Essen und an anderen schönen Dingen verderben. Mit Herpes haben diese Hautveränderungen jedenfalls nichts zu tun. Obwohl Aphthen nicht gerade selten sind, hat die Medizin deren Ursache bis dato noch nicht eruiert bzw. eine effiziente Behandlung gefunden. Laut Schätzungen leiden bis zu zehn Prozent aller Kinder und bis zu zwei Drittel (!) aller jungen Erwachsenen daran, wenigstens zeitweise, wobei das Intervall, nach dem Aphthen neuerlich auftreten, zwischen wenigen Tagen und einigen Jahren liegen kann. Ein typisches Intervall sind vier Monate. Manchmal treten Aphthen auch gleich gehäuft auf; zumeist liegt ihr Durchmesser unter einem Zentimeter. Die Abheilung dauert in der Regel zwischen 5 und 14 Tagen.
Es gibt aber auch eine schwerere Form, die bei etwa zehn Prozent der Betroffenen auftritt. In diesen Fällen kommt es zu Aphthen, die einen größeren Durchmesser aufweisen, in kurzen Abständen wiederkehren und nach ihrer Abheilung Narben an der Mundschleimhaut hinterlassen.
Herpes - ein lebenslanger Mitläufer
Das Herpes-simplex-Virus Typ 1, kurz HSV1 genannt, "fängt" man sich normalerweise schon in der Kindheit. Man steckt sich, in aller Regel unbemerkt, bei Personen an, die gerade eine "Fieberblase" haben; die Ansteckung kann durch direkte Berührung oder sonstigen Kontakt mit winzigen Partikeln ("Tröpfcheninfektion") aus einer Fieberblase erfolgen. Bei 99 Prozent aller Erstinfektionen, fast immer sind die Betroffenen Kinder oder sogar Babys, treten keine Fieberblasen oder sonstige Beschwerden auf. Aber: Das Virus verlässt den Körper nicht. Es siedelt sich in den so genannten Ganglien an, das sind kleine Nervenknoten außerhalb des Gehirns. Ein solches Ganglion sitzt z. B. im Verlauf des Nervus trigeminus, des fünften Hirnnervs, der unter anderem für die Bewegung der Gesichtsmuskulatur zuständig ist. Dies ist ein bevorzugter Aufenthaltsort für das Herpesvirus - es schlummert dort sozusagen.
Infektion bei Stress
Wenn nun aus irgendwelchen Gründen das Immunsystem geschwächt wird, wacht das Herpesvirus auf. Solche Beeinträchtigungen können ganz einfache Infektionen sein, wie etwa die typischen grippalen Infekte (die übrigens nichts mit der wirklichen Grippe oder Influenza zu tun haben). Daher kommt auch der Ausdruck "Fieberblase". Aber auch ein stärkerer Sonnenbrand bzw. Stress im Alltag können ausreichen, um das Herpesvirus zu aktivieren.
Üblicher Verlauf
Normalerweise sind Herpes-Infektionen mild und verschwinden nach einer Woche bis zehn Tage von selbst wieder. In den meisten Fällen bleiben keinerlei Narben zurück. Tritt kurz nach einer Herpes-Infektion wieder eine Fieberblase auf, gestaltet sich der Verlauf oft milder. Ausnahmen betreffen Personen, die eine angeborene oder erworbene Immunschwäche (z. B. HIV-Infektion) haben. Bei ihnen kann eine Herpes-Episode sehr schwer, ja sogar tödlich verlaufen.